leben 

Andreas Eger lernte ich kennen, als ich durch die GĂŒnterstalstraße
in Freiburg ging, 1996.

In einem Schaufenster dominierte eine krÀftige Skulptur.
Zwei stark verwitterte, keilförmig aufeinander zustrebende große Holzteile
wurden durch dicke Hanfseile oben und unten verbunden und
kerbten sich von den Seiten her in einen hellen Findling ein.
Man fĂŒhlte sich unwillkĂŒrlich an ein Ei erinnert, das sich eingenistet hatte
oder auch schĂŒtzend gehalten wurde.
 â€œLeben“ hieß die Skulptur, und obwohl sie einfach statisch in sich ruhend dastand, schien hier der Beginn des Lebens auf
einer prÀ-embryonalen Stufe eingefangen.

Da die beiden Holzteile jener Skulptur offensichtlich aus einem StĂŒck  entstanden waren, hatte ich seine kĂŒnstlerische Thematik damals
als “Teilen und Vereinen“ wahrgenommen.
Heute denke ich, daß das ”Teilen“ fĂŒr ihn schon damals
eine untergeordnete Rolle spielte.
Es war nur von Belang, um dadurch etwas Anderes,
Neues entstehen zu lassen.

Das “Vereinen“ hatte PrioritĂ€t.


Ein Organismus ist ein Körper, der als Gesamtsystem funktioniert, aber aus vielerlei Organen besteht,
die alle zur Erhaltung dieses Systems beitragen. Der menschliche Körper ist so ein System.
Es gibt technische Organismen, sei es in Form eines Autos oder Computers etc. oder
soziologische Organismen wie Vereine, Ortsteile oder die Stadt Freiburg.

Alle sind demselben Funktionsmechanismus unterworfen. Unser gesamtes Leben ist auf diese Weise hierarchisch durchorganisiert bis in kleinste Mikro-Organismen, die ein Wachsen, Entwickeln
und damit Leben ermöglichen.
Und alles, was wir selber zum Funktionieren bringen wollen, unterliegt denselben GesetzmĂ€ĂŸigkeiten.

Die Frage, wie da etwas zusammengeht, zusammenwĂ€chst, ist  - zumindest im bisherigen kĂŒnstlerischen Leben von Andreas Eger - etwas Elementares, fĂŒr das er eine seine kĂŒnstlerische Ausdrucksform sucht.
Wann ist der Punkt erreicht, wo etwas zusammenwÀchst?
Wie erleben wir dieses Zusammenwachsen?

 Dieser Erfahrung - stĂ€ndig mit neuen Organismen technischer, sozialer oder welcher Art auch immer  konfrontiert zu werden, die sich unserem aktuellen Erfahrungshorizont entziehen -
begegnen wir in unserem Alltag von Tag zu Tag,
Stets sind wir gefordert, uns mit ihnen auseinanderzusetzen, uns an sie zu gewöhnen.
Wir Menschen neigen dazu, auf Unbekanntes, Fremdgewachsenes erst einmal
mit Angst oder Aggressionen zu reagieren, lieber abzuwehren.

Nur wer sich damit wirklich vertraut gemacht macht, kann adÀquat darauf reagieren und -
 eventuell selbst zur Entwicklung neuer Organismen beitragen.

 
Regine Kemmerich-Lortzing M.A., Skulpturen-Kabinett Freiburg

 

eine einfĂŒhrung